Paraguay

Wir geniessen die Vorzüge eines Campgrounds mit eigener Pastaproduktion wo wir spanisch büffeln, Friedli pflegen und Reisepläne schmieden. Bei unserem Wochenausflug nach Bolivien treffen wir Bettes Sportkollegin und verbringen gemütliche Stunden. Im Chaco sehen wir Flaschenbäume und treffen auf unterschiedlichste Schweizer-Auswanderer mit ihren spannenden Geschichten. 

Route: Pedro Juan Caballero, Altos, via Argentinien nach Tarjia (Bolivien), La Patria, Rosaleda, Filadelfia, Neuland, Fortin Boqueron, Laguna Capitan, Ciudad del Este, Altos

 

Brasilien oder Paraguay? (Pedro Juan Caballero)

In Ponta Pora suchen wir vergebens nach einem herkömmlichen Zollübergang. Die riesigen Landesflaggen auf beiden Seiten der Strasse weisen auf die Landesgrenze hin, welche tatsächlich mitten auf der Hauptstrasse verläuft. Nur Dank unserem App „ioverlander“ finden wir die weit verstreuten Lokalitäten für die Grenzformalitäten. Die grossen Einkaufszentren in der paraguayischen Stadt Pedro Juan Caballero ziehen tausende von Brasilianern an, welche das hohe Preisgefälle bei Elektronikgeräten nutzen wollen. Da die Speicherkapazitäten an unserem Laptop und den Festplatten ausgeschöpft sind, mischen auch wir uns ins Gedränge und kaufen eine neue Festplatte.

 

Hasta la Pasta zum ersten (Altos)                                                                              

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den 420 km langen Weg quer durchs Land bis Altos, einem Vorort der Hauptstadt Asuncion. Hier bleiben wir auf dem von anderen Reisenden empfohlenen „Hasta la Pasta“ Camping, wie so manch einer, etwas länger hängen. René, Marion und ihre 4 Hunde begrüssen uns herzlich auf dem grosszügigen Gelände mit eigenem Swimmingpool, mehreren Feuerstellen und einer Pasta Produktion. Das ist genau, was wir brauchen. Während wir auf ein Packet aus der Schweiz warten, wird Friedli auf Hochglanz poliert, werden unsere Spanischkenntnisse mit Sprachunterricht direkt auf dem Camping aufgebessert und am samstäglichen Markt finden wir Gemüse, Früchte, Bratwürste, Schwarzwälder Torte, einfach alles, was das Herz begehrt. Darüber hinaus werden wir von Marions hervorragender Küche äusserst verwöhnt und verbringen unzählige gemütliche Abende am Lagerfeuer mit anderen Langzeitreisenden.

                                                                                                                                           

Wochenausflug nach Bolivien (Tarija)

Seit längerem stehen wir mit einer ehemaligen Sportskollegin von Betty per Mail in Kontakt, welche gerade Südamerika von Süd nach Nord bereist. Da wir uns einmal knapp um ca. zwei Wochen verpasst haben, entschliessen wir uns, via den argentinischen Chaco noch einmal nach Bolivien zu fahren. Dank guten Strassenverhältnissen legen wir in nur 3 Tagen 1200 km zurück und treffen in Tarija Jeannette und Pascal (www.jepasouthamerica.com). Zusammen verbringen wir 7 gemütliche Tage. Nachdem wir in unseren Jugendjahren ungefähr 10 Jahren gemeinsam Sport machten, haben wir uns viel zu erzählen. Zusammen bummeln wir über den Markt und besichtigen in einem nahe gelegenen Dorf eine Wein-Bodega. Das Degustieren wird hier etwas anders praktiziert. Wir bilden mit ca. 20 Menschen einen Kreis. Der Winzer gibt pro Sorte Wein  ein Glas in die Runde, welches von Person zu Person gereicht wird. Wie gut wohl der Wein bei den letzten noch schmeckte? Nach einer Woche heisst es bereits wieder Abschied nehmen, und wir machen uns auf Richtung paraguayischen Chaco.                                                                       

 

Zu Besuch bei Ernst Roth (Rosaleda)                                                                        

Die Strasse, welche uns in den paraguayischen Chaco führt, hat alles zu bieten,  vom perfekten Feinbelag bis zur schlechtesten bis anhin überhaupt gefahrene Hauptachse. Teils sind nur noch einzelne 40-50 cm erhöhte Teerflecken zu erkennen, die auf der 10 m breiten, stark gewölbten Strasse im Slalom umfahren werden müssen. Der Wind bläst den Sand von der Strasse schon Kilometer vor uns auf, was es zusätzlich recht abenteuerlich macht. Unser Ziel heisst Rosaleda, eine von ausgewanderten Schweizern gegründete Kolonie in der Abgelegenheit von Mariscal. Ein Dorf, das auf den ersten Blick gar nicht wie ein Dorf aussieht. Von der Hauptstrasse aus sind nur Hofzufahrten zu sehen, jedoch fast keine Häuser. Wir möchten gerne einige der 35 hier lebenden Auswanderer kennen lernen und ihre Geschichten erfahren. Als Merkmal, dass die Leute von Übersee stammen,  steht bei jedem Haus noch der Container, mit welchem das Hab und Gut aus der Schweiz nach Paraguay verschifft wurde.

Beim 5. Haus treffen wir dann auf den ersten Bewohner Rosaledas. Wir werden freundlich in breitem Berndeutsch begrüsst und sitzen kurz darauf bereits in der „Stube“ und erfahren bei einem Kaffee, dass Ernst Roth (Namensvetter von Beats Bruder) einer der Gründer Rosaledas ist und bereits seid 20 Jahren  hier in der Abgeschiedenheit lebt. Eins kommt zum andern und wir bleiben gleich vier Tage. Ernst führt uns im Dorf herum, was uns einen gut Einblick vom Leben hier gibt. Im Gegenzug legen wir Hand an und helfen ihm seine Vogelvoliere zu reparieren.

 

Deutsche Strassenschilder (Filadelfia)                                                                                 

Als nächstes machen wir Halt in Filadelfia, einer der drei Mennoniten-Kolonien im Chaco. Jede der Kolonien besteht aus mehreren Dörfern, welche ihr eigenes Verwaltungssystem haben. Die Mennoniten kamen ab 1929 nach Paraguay und haben einen legalen Sonderstatus. Sie haben das Recht auf Religionsfreiheit, eigene Schulen, Befreiung vom Wehrdienst, müssen keinen Eid ablegen und dürfen ihre eigene Sprache sprechen. Im Gegenzug machten die Mennoniten das unwirtschaftliche, trockene Gebiet des Chacos (entspricht der Grösse Deutschlands) fruchtbar. Heute zählen sie rund 30'000 Gläubige, die einen grossen Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse von Paraguay herstellen. Im Museum werden wir gleich auf Deutsch angesprochen und erfahren, wie viele Mennoniten von Deutschland nach Canada oder Russland aus-wanderten und dort wiederum vertrieben wurden. Ortsnamen wie Waldheim, Hohenau, Neuhof und Bergtal oder Strassenschilder mit den Namen „Unruh“ und „Hindenburg“ erinnern an Deutschland und lassen uns schmunzeln.                                                                  

 

Mit der Machete durch den Busch (Neuland)

In der Nähe von Neuland, einer weiteren Mennoniten-Kolonie sind wir mit Hansueli und Barbara verabredet. Die vor über 16 Jahren ausgewanderten Schweizer betreiben ca. 60 km ausserhalb von Neuland eine Estanzia (Farm). Die beiden nehmen uns mit bei ihren täglichen Arbeiten auf der 500 ha grossen Rinderfarm und wir tauchen ein ins Farmerleben. Im Gegenzug bieten wir unsere Hilfe an und stellen den Wassertank wieder in Senkel. Wasser entscheidet im Chaco über Leben oder Tod. Jedes der ca. 250 Tiere auf der Farm braucht pro Tag 70 bis 80 lt Wasser. Das Wasser muss aus über 100 m Tiefe gepumpt werden. Die Arbeitstage des tierliebenden Ehepaars sind lang. Bereits früh morgens werden die Herden kontrolliert, Kälber geimpft und liebevoll gepflegt. In einer Pause, welche landestypisch mit Terere (kaltem Matetee) zelebriert wird, erkundigen wir uns, ob sie Interesse an Luftaufnahmen ihres Geländes haben.

Da geschieht das, was keiner will. Die Drohne wird auf einmal nicht mehr steuerbar und driftet immer mehr ins Buschland ab. Auf dem Steuergerät sehen wir die Koordinaten der angeblichen Landestelle. Zu viert machen wir uns ausgerüstet mit Macheten und viel Wasser auf den Weg in den Busch. Nach insgesamt fünf Stunden vergeblichen Suchens müssen wir schliesslich einsehen, dass wir die Nadel im Heuhaufen suchen. So können wir nur sagen, glücklicherweise ist niemand zu Schaden gekommen und Drohnen werden schliesslich jeden Tag neue produziert. Das sich durch den dornigen Busch Kämpfen war eine tolle Erfahrung und hat Spass gemacht. 

 

Hasta la Pasta zum zweiten (Altos)

Ohne Drohne im Gepäck, dafür voller Erinnerungen an Begegnungen mit interessanten Menschen, verlassen wir den Chaco, um nochmals im Hasta la Pasta ein paar Tage zu verbringen. Gemeinsam mit anderen Schweizern verbringen wir gemütliche Abende am Lagerfeuer, geniessen Marions Küche und singen uns mit „äs Purä-Büebli“ ein auf den 1. August. Das „Ghacktä mit Hörndli“ schmeckt lecker und mit Unterstützung eines Tonbandes und Textblättern hört sich die Nationalhymne ganz passabel an. Das Schweizer Wissen der Reisenden wird per Quiz getestet und Urkunden für spezielle Fähigkeiten werden verteilt. Am nächsten Tag fahren wir 300 km quer durchs Land nach Ciudad del Este, um unsere Drohne zu ersetzen. Auf der Rückfahrt sehen wir uns das Industriemuseum der ältesten Dampflokomotiven in Sapucaí an. Danach hüten wir den Camping inklusive fünf Hunden, während Marion und Rene sich eine viertägige Auszeit gönnen. Dann ist es auch für uns an der Zeit zu gehen, uns zieht es Richtung Süden, wir wollen in Argentinien die Wale beobachten, welche hier zwischen August und September zu sehen sind.                                                                                                                                                                                                     

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