Nord-Chile

In Nord-Chile treffen wir auf Beats Cousin Daniel mit seiner Frau Anita. Gemeinsam durchfahren wir in dreieinhalb Wochen abgelegene Orte hoch in den Anden, lassen uns verzaubern von der Farbenpracht, welche uns die Natur hier zu bieten hat, baden in heissen Thermalquellen, fühlen uns schwerelos in salzhaltigem Gewässer und versuchen, diese schöne Landschaft in Fotos festzuhalten.

Route: Arica, Putre, Suriplaza, Laguna Chungará, Salar de Surire, Termas de Polloquere, Isluga, Colchane, Ancuaque, Salar de Coposa, Salar de Ascotan, Chiu Chiu, Calama, San Pedro de Atacama

 

Familientreffen (Arica)

Von Chile wissen wir eigentlich noch nicht viel, ausser dass es ein sehr langes Land ist. Die Anden sollen sehr hoch und schön sein und an den Grenzen werden sehr strenge Nahrungsmittelkontrollen durchgeführt. Das aus der Schweiz mitgebrachte Gerberfondue verstauen wir vorsichtshalber an einem, wie uns scheint, sicheren Ort und legen eine Tomate gut sichtbar in den Kühlschrank. Wie uns andere Reisende erklärt haben,  konfiszieren die Zöllner bei der Nahrungsmittelinspektion gerne etwas und so werde dafür nicht das ganze Auto durchsucht. Unsere Taktik geht auf. Die Grenzabfertigung läuft äusserst korrekt und freundlich ab. Unsere Tomate geben wir ab und das Fondue bleibt unentdeckt. Mit Freude fahren wir die ersten 15 km durch die Atacama-Wüste nach Arica, wo wir Beats Cousin Dani und seine Frau Anita treffen. Schon lange freuen wir uns auf dieses Familientreffen. Die beiden reisen seit 8 Monaten von Süden Richtung Norden in ihrem Mercedes Viano in Südamerika herum. Wir haben uns viel zu erzählen und freuen uns auf die gemeinsame Zeit, die uns durch Nord-Chile und Bolivien führen wird.

                                                                                                        

Nicht ganz freiwilliger Ruhetag (Putre)                                                                    

Nach einem Bummel durch Arica machen wir uns auf den Weg in die Anden.  Zwecks Akklimatisation halten wir auf 3’000MüM bei einem gemütlichen Restaurant und unterhalten uns mit der Wirtin. Dank ihren Tipps finden wir einen tollen Übernachtungsplatz abseits der Strasse mit Blick in die 5’000-6’000er Berge und viel Platz, um den Rest des Nachmittags mit Boccia spielen zu verbringen.                                   

Ein erster Abstecher über schmale Strassen führt uns zur Kirche von Socoroma. Diese im 17. Jahrhundert erbaute Kirche wurde nach einem starken Erdbeben erst im 2016 saniert und versprüht mit ihrem Bambusdach viel Charme. In Putre sind wir definitiv zurück in den Anden. Auf 3’700 MüM bleiben wir eine weitere Nacht, um dann das erste Mal gemeinsam mit unseren Fahrzeugen die 5’000er Grenze zu knacken. Über Schotterstrassen, durch endlose Weiten, umgeben von lauter 5'500 – 6’000er Bergen und Vulkanen, sehen wir kleine verlassene Andendörfer mit schmucken, einfachen Kirchen.

Es wechselt sich eine unglaublich faszinierende Farbenpracht der Gesteinsformationen wie am Surieplaza, welche in rot, gelb, ocker schimmert, oder an unzähligen Lagunen, in welchen sich schneebedeckte Vulkane spiegeln. Damit wir unsere Weiterfahrt zur Lagune Surire und weiter bis nach Calama vorbereiten können, fahren wir nochmals nach Putre und füllen unsere Dieseltanks. Diesel ist hier nur aus Kanistern erhältlich und wird über Petflaschen, welche als Trichter dienen, in unsere Tanks gefüllt.

Alles ist fahrbereit, die Nahrungsmittel sind aufgestockt. Nur noch schnell das Gepäcknetz fixieren. Dabei betätigt Beat ungewollt den durch die Fibrationen entriegelten Bärenspray, welcher ihm gleich ins Gesicht spritzt. Glücklicherweise stehen wir vor einem Hotel und können Dusche und Internet nutzen. Während Beat seine Augen und das Gesicht eine halbe Stunde lang mit der Duschbrause ununterbrochen reinigt und kühlt, googeln die anderen was das Zeug hält. So finden wir bald heraus, dass die Beschwerden nach ca. 45 Minuten abklingen sollten, was glücklicherweise eintrifft. Trotzdem legen wir einen Ruhetag ein und kontaktieren unseren Telefonjoker für medizinische Fragen in der Schweiz, bevor wir uns auf die 420 km lange Fahrt durch einsame Natur begeben.

                                  

Friedli, der Abschleppdienst (Salar de Surire)                                                       

Schon kurz nach Putre steigt die Strasse steil an und windet sich auf über 4'000 MüM. Dank Friedli, der solche Steigungen nur langsam bewältigt, haben wir ausreichend Zeit, die Farbenpracht zu geniessen, welche uns die Natur hier bietet. Nebst vielen Vicunas und Alpakas sehen wir völlig unerwartet unsere ersten Nandus. Hierbei handelt es sich um graue Straussen, welche nur im Hochland leben. Nach 160 km Gravelroad und ein paar Bachdurchfahrten finden wir am Salar de Surire einen traumhaften Übernachtungsplatz. Direkt vor uns stehen hunderte Flamingos im weiss leuchtenden Salzsee. Gegen Abend lässt der Wind nach und die umliegenden schneebedeckten Vulkane beginnen sich im Wasser zu spiegeln. Als sich dann auch noch ein Regenbogen direkt über dem Wasser bildet, bleibt uns fasst der Atem stehen.

Im Glauben, das sei nicht mehr zu toppen, schlafen wir herrlich ein. Doch bereits am nächsten Morgen, auf der gegenüberliegenden Seite des Salzsees, treffen wir auf eine heisse Quelle. Umgeben von Bergen steigen wir in die natürliche Therme und geniessen ein herrliches warmes Bad. Eine schwer bewaffnete Grenzpatrouille in schusssicheren Westen zeigt uns die unmittelbare Nähe zur bolivianischen Grenze. Die überaus freundlichen Polizisten halten für einen kurzen Schwatz und verabschieden sich mit einem Gruppenfoto.

Entspannt machen wir uns auf den Weg Richtung Laguna Roja. Nach der anfänglich gut befahrbaren Schotterstrasse, steigt diese erstmals steil auf über 5'000 MüM. Der Viano von Dani und Anita schnaubt und benötigt die Unterstützung von Friedlis enormer Zugkraft. Bald wechselt die Qualität der Piste zu einer ruppigen, nur noch mit zwei Fahrstreifen erkennbaren Alpstrasse. Nach 10 Kilometern, unzähligen Bachdurchfahrten und Brückenbauens mittels Unterlagshölzern, drehen wir um. Der Mercedes scheint nicht gebaut zu sein für solche Strassen. Friedli wächst für die nächsten 20 km buchstäblich über sich hinaus und schraubt sich gemächlich Meter für Meter mit dem Viano am Abschleppseil zurück auf 5'000 m hoch. Friedli wir sind stolz auf Dich!

                                                         

Friedli das Taxiunternehmen (Ollagüe)                                                                   

Immer auf der über 4'000 MüM liegenden Hochtalebene fahren wir mehrheitlich durch menschenleere Gegenden. Ab und zu sehen wir weidende Alpakas, Vicunas oder humpelnde Hasen. Ein von weitem erkennbarer älterer Herr,  eilt auf einem klapprigen Fahrrad zur Strasse. Kaum halten wir für einen Fotostopp, erreicht er uns auch schon und schüttelt uns die Hand und fragt, wohin uns der Weg führe. Nach einer Weile stellt sich heraus, dass er auf dem Weg zu seinem 95 jährigen Vater im ca. 20 km entfernten Dörfchen ist und eine Mitfahrgelegenheit sucht. Da wir in seine Richtung fahren, bieten wir kurzentschlossen unsere Dienste an. Er setzt sich freudestrahlend auf den Beifahrersitz und Betty nimmt hinten Platz. Auf die Frage, wie lange er für die Strecke ohne Taxi brauche, antwortet er mit einem spitzbübischen Lachen, hier fahren pro Tag zwei Touristenfahrzeuge durch und für ein Foto mit ihm, lassen die ihn gerne mitfahren.

 

Zu Besuch im Geisterdorf (Anuache)

Auf der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz entdecken wir auf der Strassenkarte in Anuache das Zeichen für eine Thermalquelle. Dies scheint uns in den doch eher kalten Nächten eine gute Möglichkeit, um uns aufzuwärmen. Über eine Schotterpiste gelangen wir zum avisierten Dörfchen. Ein moderner Dorfplatz und einige verlassene Häuser sind alles, was wir erblicken. Beim Bummel durch das Geisterstädtchen treffen wir auf einen Herrn. Dieser erklärt uns, dass hier nur noch eine Familie wohne, da es keine Arbeit mehr gebe. Die restlichen Dorfbewohner seien deshalb in die umliegenden Grossstädte gezogen. Auf die Thermalquelle angesprochen, öffnet er uns für eine kleine „Propina“ (Trinkgeld) das Tor und erlaubt uns mit unseren Fahrzeugen bis zur 1 ½ km entfernten Quelle zu fahren und dort zu nächtigen. Ein weiteres Mal sind wir überwältigt von unserem Übernachtungsplatz. Wie ein riesiger Maushügel liegt die Quelle vor uns inmitten eines Talbodens. Direkt neben der 3x4 m grossen, heissen Therme parken wir unsere Fahrzeuge und verbringen einen entspannten Abend im warmen Nass. Nach einem morgendlichen Kaffee im Privatpool sind wir gerüstet für die nächsten Kilometer.

 

Das 100`000-er Jubiläum (Calama)

Unser Weg führt uns auf Schotterstrassen über einen weiteren 5’000er Pass zum nächsten Salzsee. Wir befinden uns inmitten einer weissen, unwirklichen Landschaft. Der Strassenbelag wechselt auf mehlartig und ist angenehm weich zum fahren. Auch hier übernachten wir in freier Natur an einem Salzsee, wo sich am Morgen die umliegenden Vulkane im glatten Wasser spiegeln. Mitten in einer rauen Landschaft auf über 4'000 m ist es soweit. Friedlis Tacho zeigt 187’000 Kilometer an, dies bedeutet, wir haben gemeinsam mit Friedli in den letzten fast 3 Jahren 100`000 unfallfreie Kilometer durch  Europa, Nord-, Zentral- und Südamerika zurückgelegt. Nach fünf Tagen wilder Natur gehen unsere Lebensmittel- und Dieselvorräte langsam dem Ende zu. Da scheint uns die etwas tiefer gelegene Stadt Calama genau richtig zu sein.

Je näher wir der Stadt kommen, desto mehr gleicht die Landschaft einer Mondlandschaft. Lauter Minen rundum. Wir möchten die weltweit grösste Kupfermine besichtigen. Leider sind Touristenführungen wegen eines Unfalles bis auf weiteres eingestellt. Auf dem gemütlichen Campingplatz voller alter Requisiten wie Nähmaschinen, Autos, Schachbretter und Minenwerkzeuge bleiben wir trotzdem für 2 Nächte. Der Besitzer hisst zu unserer Freude sogar eine Schweizerflagge.

 

Surreale Landschaften (San Pedro de Atacama)

Nur noch 105 km trennen uns von San Pedro de Atacama. Doch wir übernachten noch zweimal bevor wir in dem berühmt berüchtigten Ausgangspunkt für alle Arten von Wüstentouren eintreffen. Zuerst zieht es uns ins Valle de Arco Iris mit seinen verschieden farbigen Felsen. Rote, violette, ja sogar grüne Felsformationen ziehen uns in ihren Bann. Als nächstes steht der Besuch des Valle de la Luna an. Hier sind wir tagsüber fast ganz alleine und erkunden die surrealen Landschaften. Exakt zum Sonnenuntergang erreichen unzählige Tourbusse mit Massen von Touristen dieses Tal und wohnen dem Farbenschauspiel bei. An der Laguna Cejar nutzen wir ein weiteres Mal unser Privileg, Touristenattraktionen zu besuchen, wenn noch keine, oder schon keine anderen Touristen mehr vor Ort sind. Diese weist einen solch hohen Salzgehalt auf, dass man sogar den Reiseführer darin studieren kann, ohne unterzugehen.

In San Pedro füllen wir unsere Kühlschränke und Dieseltanks auf und erhalten in einer französischen Bäckerei frisches Brot.

Bevor wir Nord-Chile Richtung Bolivien verlassen, fahren wir noch zur Laguna Verde mit ihren Piedras rojas (roten Steinen) und sind ein weiteres Mal  sprachlos ob der Vielfalt und Farbenpracht der Landschaft. 

Selten haben wir so viele Fotostopps gemacht wie in den letzten Wochen, und während unseres ganzen Nord-Chile Aufenthaltes haben wir keinen Tag ohne ein Highlight erlebt.

 

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