Kolumbien

Zwei Monate Kolumbien führen uns über die ersten 4'000 Meter hohen Andenpässe, sehen einige farbenfrohe Städtchen, verbringen eine angenehme Zeit in der Wüste Tatacoa und erleben  traditionelle Märkte indigener Bevölkerung. Die Begegnungen mit offenen, freundlichen Kolumbianern bleiben uns in bester Erinnerung.

Route: Cartagena, Santa Marta, Minca, Santa Cruz de Mompós, La Playa de Belén, Bucaramanga, San Gil, Barichara, Villa de Leyva, Guatapé, Medellín, Manizales, Salento, Bogotá, Tatacoa, Tierradentro, San Augustin, Mocoa, Pasto, Popayan, Las Lajas

 

Ein Hotel mit riesigem Outdoorpool (Cartagena)

Am 28. September 2016 fliegen wir von Panama City via Bogotá nach Cartagena (Kolumbien). Für uns beginnt ein neues Kapitel, wir betreten zum ersten Mal südamerikanischen Boden.

Der Aufenthalt am Flughafen Bogotá dauert jedoch nur 30 Minuten. Im Stechschritt wechseln wir den Flieger, um weiter nach Cartagena zu gelangen. Dort quartieren wir uns für die nächsten 6 Tage in einem in der Nähe der Altstadt liegenden Hotel ein. Während vier Tagen erkunden wir die strahlende Altstadt und warten geduldig, bis Friedli im Hafen abholbereit ist.

Cartagena gefällt uns auf Anhieb sehr gut mit den farbenfrohen Häusern, den belebten Plätzen in der Altstadt, wo Menschen tanzen, singen und das Leben geniessen. Im angrenzenden Quartier Getsemani, welches früher als Arbeiterviertel galt und wo heute viele Künstler beheimatet sind, wimmelt es nur so von Menschen. Immer wieder erliegen wir dem feinen Duft, der aus kleinen, aber feinen Restaurants in die schmalen Gassen gelangt. Wahre Kunstwerke verzieren ganze Strassenzüge und bei jedem Vorbeigang entdecken wir wieder neue Bilder. An die vielen „Vendadores“ (Strassenverkäufer), welche teils hartnäckig versuchen, ihre Ware an den Mann oder die Frau zu bringen, müssen wir uns anfänglich noch etwas gewöhnen.

In der dritten Nacht hören wir Regentropfen an unser Hotelfenster prasseln und freuen uns erstmals über eine Abkühlung in der sonst so heissen Stadt.  

Nichts ahnend treibt uns der Hunger morgens runter ins Restaurant zum Frühstück. Als wir dann eine mit Brettern und Sandsäcken verbarrikadierte Hoteltür sehen, staunen wir nicht schlecht. Cartagenas Strassen stehen teils 20-40 cm tief  unter Wasser!

Es sieht aus wie ein grosser Aussenpool, welcher ohne Aufpreis bis zu unserer Hotel-Eingangstür reicht. Draussen tobt der Hurrikan Matthew, welcher hier glücklicherweise ausser den grossen Wassermassen keine nennenswerten Sturmschäden anrichtet. Während wir den Tag meist im Hotel verbringen, denken wir mit Sorge an Friedli, der bei diesem Sturm irgendwo auf offener See zwischen Panama und Kolumbien in den Wellen hin und her schaukeln wird.

Gross ist die Freude, als wir ihn dann nach einer anderthalb tägigen Prozedur des Stempel-Sammelns unversehrt aus dem Hafen fahren können.

                                                                                                                    

                                                                                                        

Schlammbad und Toyota treffen (Santa Marta)

Nach einer Woche in Cartagena rollen wir zufrieden mit Friedli ganz in den Norden Kolumbiens. Der Vulkan "El Totuma" ist mit seinen 15 m Höhe kein sonderlicher Hingucker. Doch das Erlebnis, welches wir hier haben, werden wir so schnell nicht vergessen. In den Badeklamotten steigen wir die steilen Stufen hoch zum Vulkankrater, um dann zögerlich über eine Holzleiter in den grauen Schlamm, welcher über 500 m tief ist, runter zu steigen. Zu unserem Erstaunen geht man nicht unter und die Temperatur ist sehr angenehm. Nach einem halbstündigen Schlammbad werden wir von zwei Frauen in der Lagune sanft vom Schlamm befreit.

 

Um gefühlte Jahre jünger fahren wir weiter der Küste entlang nach Santa Marta und entfliehen der Hitze mit einem Abstecher in die Berge nach Minca. Hier werden entlang der Strasse immer noch die massiven Spuren vom Hurrikan beseitigt. An der Playa los Angeles schnuppern wir zum letzten Mal karibische Luft. Der traumhafte Strand gerät beim Anblick des Toyota Landcruiser mit Baselbieter Nummernschild, welcher bereits hier steht, vorerst etwas in den Hintergrund. Wir verstehen uns mit Dani und Brigitte auf Anhieb und die Männer fachsimpeln über die Fahrzeuge, während die Damen Informationen über Reiserouten austauschen.

Nach einem gemütlichen Abend fahren wir in entgegengesetzte Richtungen weiter.

 

Abenteuerliche Flussüberquerung und ein Lichtermeer (Bucaramanga)

Wir nehmen Fahrt in die inmitten eines ausgeklügelten Fluss- und Sumpfsystems liegende Stadt Mompos auf. Während die ersten 220 Kilometer gut ausgebaut sind, nimmt die Qualität der Strasse jedoch mit dem Verlassen der Hauptachse rapide ab. Unzählige Löcher, Wasserbecken und Schwellen lassen uns auf der immer enger werdenden Schotterstrasse langsamer vorwärtskommen als angenommen. Als dann die von den Lokals empfohlene Strasse an einer Fährstation für Fussgänger und Motoradfahrer vis a vis der Zielstadt Mompós endet, sinken unsere Chancen, noch bei Tageslicht anzukommen. Nur kurze Zeit später stehen wir dann doch noch an der richtigen Anlegestelle der Autofähre. Drei Langboote, mit einer Plattform verbunden, bringen uns sicher auf die andere Seite des Flusses. Das kleine Städtchen steht mitten in den Vorbereitungen für ein Musikfestival, was das Finden eines geeigneten Übernachtungsplatzes in den sonst schon sehr engen Gassen nicht vereinfacht. Doch lernen wir hier die überaus freundliche kolumbianische Art kennen. Zwei Polizisten eskortieren uns gleich zu einem von ihnen empfohlenen Platz.

Nach einer Stadtbesichtigung geht es tags darauf gleich weiter über eine rötliche Lehmpiste, welche durch den nächtlichen Regen teils schlammige Abschnitte enthält, weiter ins Bergdorf namens "Playa de Belén". Unseren Übernachtungsplatz erreichen wir bei starkem Regen und dichtem Nebel, so dass wir erst am anderen Morgen die Aussicht über die rötlichen Gesteinsformationen geniessen können. Zusammen mit einem Guide wandern wir durch die Formationen, welche uns an den Brice Canyon (USA) erinneren. Das kleine verschlafene Dörfchen mit Kopfsteinpflasterstrassen versprüht mit seinen weissen Häusern und dem Blumenschmuck viel Charme. Ab hier quälen wir uns gemeinsam mit vielen schnaufenden und rauchenden Lastwagen Berg rauf und runter. Belohnt werden wir oberhalb von Bucaramanga mit einem tollen Stellplatz bei einer Gleitschirmschule mit einer Traumsicht auf das Lichtermeer der viert grössten Stadt Kolumbiens.

                                                                                            

Der verliebte Papagei (San Gil) 

Weiter geht es durch den Canyon Chicamocha hoch in eine hügelige Landschaft, wo sich an einem Aussichtspunkt Beats Sohle vom Trekkingschuh trennt. So machen wir uns in San Gil erst mal auf die Suche nach einem Schuhmacher, welchen wir nur über eine enge, steile Treppe finden. Dafür flickt er uns gleich vier Paar Schuhe fachmännisch für umgerechnet 7 Franken. Zufrieden machen wir uns auf den Weg in das kleine Städtchen Barrichara, welches zu Recht als eines der schönsten Kolumbiens angepriesen wird. Von hier wandern wir mit unseren frisch gesohlten Schuhen den Camino Real nach Guane runter, welcher mehrere Jahrhunderte als Handelsroute diente und originalgetreu mit grossen Steinen ausgestattet ist. Abends machen wir es uns auf dem Camping Fochata, etwas ausserhalb von San Gil, gemütlich. Hier bekommen wir Besuch von Laura, der Papageiendame, die sich von Bettys Crocs magisch angezogen fühlt. Anfänglich tänzelt sie im Kreis herum, um dann an den Crocs zu knabbern. Das muss wohl Liebe sein.

                                                                                                        

Betty und ihr Traumhaus (Villa de Leyva)                                                               

Für die Fahrt nach Villa da Leyva wählen wir wieder einmal eine wenig befahrene Bergstrasse, die schon nach kurzer Zeit in eine Schotterpiste übergeht und sich 60 Kilometer durch abgelegene Gegenden Meter für Meter bis auf 3'900 MüM den Berg hoch schlängelt. Bis auf Höhen von 2'000 MüM sehen wir immer wieder ausgebreitete Kaffeebohnen, welche zum Trocknen vor den Hütten ausgelegt sind. Unterwegs begegnen wir freundlichen Bergbauern, die mit ihren Maultieren und Pferden ihre geernteten Waren wie Kaffeebohnen, Kartoffeln oder Milch ins nächste Dörfchen oder zum Sammelpunkt bringen. Je höher wir kommen, desto mehr gleicht die Landschaft den Schweizer Alpen. Im Unterschied zur Schweiz sind die Versorgungsstrassen öffentlich und können befahren werden.  Ab einer Höhe von ca. 3'300 MüM wechselt die Vegetation und es wird immer farbiger. Viele Blumen und mehrere Arten von Kakteen füllen die garstigen Grasflächen.  Kurz nach der 3'900 MüM liegenden Passhöhe trauen wir unseren Augen kaum. Eine neue acht Meter breite Teerstrasse schlängelt sich ins Tal und lässt uns weit zügiger vorwärts kommen.

In der seit 300 Jahren kaum veränderten Touristenstadt Villa de Leyva findet gerade das Festival der Bäume statt und so wirkt sie im ersten Moment sehr überfüllt.

Auf dem Parkplatz treffen wir auf ein Overlander-Paar aus Spanien. Zusammen erkunden wir am nächsten Tag die Umgebung. Das grösste und best erhaltene Skelett eines Sauriers liegt im Museum "El Fosil" am Originalfundort.

Während der Besichtigung des Terrakotta-Hauses scheint sich Betty gerade neu zu verlieben. Dieses ganz aus Ton gebaute Haus versprüht mit seinen runden Formen eine spezielle Ausstrahlung. Nur kurze Zeit später gehen wir den tollen Bildern in den  Farbprospekten von den „Pozos Azules“, welche darin Smaragd grün flimmern, auf den Leim. Die Wasserstände sind massiv tiefer und der Schimmer etwas verblasst. Zurück in der Stadt werden wir von zwei neugierigen Familien aus Bogotá belagert, welche akribisch alle Details der fahrenden Häuser studieren. Nach ca. zwei Stunden und ein paar Bierchen verabschieden sie sich und wir widmen uns noch etwas der Nachtfotografie.

 

Dorfmittelpunkt (Puerto Romero)                              

Die gewählte direkte Strecke nach Peñon de Guatapé führt über die mittleren Kordilleren sehr kurvenreich rauf und runter. Die anfänglich geteerte Strasse ändert sich zunehmend in eine Löcherpiste und es folgen 60 Kilometer Schotterstrasse, die an einigen Stellen sogar überschwemmt ist. Einmal mehr brauchen wir viel mehr Zeit als gedacht und sind froh um den Allrad, der uns hilft, sicher durch den Matsch zu kommen. Unser gewähltes Tagesziel erreichen wir nicht im entferntesten Sinne.  So fragen wir um 16.30 Uhr im 200 Seelendorf Puerto Romero nach einer Parkmöglichkeit für unseren Friedli. Mit offenen Armen werden wir willkommen geheissen und auf den Dorfplatz neben dem Fussballfeld gewiesen. Müde von der langen anstrengenden Fahrt setzen wir uns hin und wollen nur noch etwas essen und dann schlafen. Doch es kommt bekanntlich  anders, als man denkt. Nach einigen skeptischen Blicken von umliegenden Bewohnern kommt der erste Junge und fragt scheu, woher wir kommen. Kurze Zeit später versammelt sich das halbe Dorf um uns und im Friedli. Beat wird kurzerhand zum Fussballspielen mit der Dorfjugend aufgefordert und Betty ist den Mädchen bei ihren Englisch Hausaufgaben behilflich.

 

Die Aussicht will verdient sein (Guatapé)                                                                

Unser nächstes Ziel ist der Stausee von Guatapé, welcher 65% des Strombedarfes Kolumbiens abdeckt und zudem am Wochenende eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadtbewohner ist. Das Markenzeichen des farbenfrohen Städtchens Guatapé sind die mit sogenannten Zocalos (kunterbunte Flachreliefs aus Beton) verzierten Häuser, welche ursprünglich die Hühner vom Picken an der Fassade abhalten sollten und als Schutz vor den ballspielenden Kindern dienten. Die Hauptattraktion ist  jedoch der 220 m hohe Granitmonolit El Peñon (Der Stein) der mit  der weltweit besten Aussicht umworben wird. Und genau dies wollen wir natürlich mit unseren eigenen Augen sehen und steigen dazu die 740 steilen Stufen bis zur Aussichtsplattform hoch.  Absolut traumhaft ist die Sicht über die vielen Inseln und Halbinseln, welche 1970 bei der Flutung der Umgebung entstanden.

 

Die einstige Drogenhochburg Kolumbiens (Medellín)

Die 2,5 Millionen Metropole Medellín wurde vor allem bekannt durch Pablo Escobar, welcher in den 1980er Jahren 80% des weltweiten Drogenhandels von hier aus kontrollierte. Die Stadt arbeitet stark daran, die traurige Vergangenheit aufzuarbeiten. Auf dem Platz, auf welchem bei einer Explosion die Friedenstaube von Fernando Bodero und etliche Menschen einer Autobombe der Guerillas zum Opfer fielen, findet dieses Wochenende gerade das Festival des Zusammenlebens statt.

Dank eines aufmerksamen Lesers unseres Volksstimme Artikels, lernen wir Sämi aus dem Baselbiet und seine Familie kennen und dürfen Friedli vor seinem Haus mitten in der Stadt parkieren. Dank seinen Tipps und Informationen finden wir uns mit Bus und Metro schnell zurecht. Modernste Einkaufszentren, mehrere Gondelbahnen, welche die vom Verkehr geplagte Stadt überqueren, zeigen eine fortschrittliche Stadt, in der die Bewohner sehr stolz und hilfsbereit sind.

 

Kaffee und Wachspalmen in luftiger Höhe (Salento)

Nach so viel Stadt zieht es uns aber  wieder raus aufs Land. Wir fahren an Manizales vorbei bis in den 4'100 MüM gelegenen Nationalpark Nevada de Ruiz. Wir sind stolz auf Friedli, der zum ersten Mal die 4’000er Grenze problemlos überquert. Die dünne Luft in dieser Höhe lässt uns früh aufwachen, so erreichen wir bereits morgens um sieben Uhr den Aussichtspunkt mit Blick auf den aktiven 5'300 m hohen Vulkan Nevada de Ruiz. Wir sehen eine  gewaltige Menge  an dunklem Rauch in den blauen Himmel steigen, bevor, nur kurze Zeit später, dicke Wolken aufziehen. So machen wir uns fröhlich auf in Richtung Kaffeeplantagen. Wir entscheiden uns, trotz der in Guatemala bereits gemachten Kaffeetour, hier auf der Finca Guicabal unser Wissen zu vertiefen. Ausgerüstet mit Sonnenhut und Erntekorb, geht es durch die dicht bewachsenen Plantagen und wir erhalten wertvolle Informationen über die Wissenschaft des Kaffees. Für uns ist das selber Kaffeepflücken das Highlight der Tour. Beats Korb ist dank der jahrelangen Erfahrung im Kirschenpflücken schnell voll. Fast hätte er einen Vertag als Erntehelfer unterschrieben. Die für einen „Tinto“ (Kaffee) benötigten

58 Kaffeebohnen sind feinsäuberlich ausgelesen und wir widmen uns der Degustation und decken uns mit Bohnen ein. Gestärkt geht es weiter ins nahe gelegene Valle de Cocoa, in welchem wir uns die vom Aussterben bedrohten bis zu 60 m hohen Wachspalmen ansehen. Nur dank einem Schutzprogramm kann der Nationalbaum Kolumbiens erhalten werden.

 

 

 

Ein neugieriger Tukan auf der Toilette (Bogotá)

Gemeinsam mit unzähligen Lastwagen, welche teilweise waghalsige Überholmanöver an den Tag legen, überqueren wir ein weiteres Mal die Kordilleren, um schliesslich in der Nähe von Bogota die einmalige unterirdische  Salzkathedrale von Zipaquira  zu besichtigen. Unter Einsatz von 80 Tonnen Sprengstoff wurden sage und schreibe eine Viertelmillion Salz und Gestein ausgeschält, um den benötigten Hohlraumfür die schlichte Salzkathedrale zu erhalten. Die farbige Beleuchtung lässt das Salz mystisch glitzern.

Geblendet vom hellen Schein besichtigen wir in Bogotá das Goldmuseum. welches mit seinen 35’000 Ausstellungsstücken als das grösste seiner Art gilt. In das und aus dem Stadtzentrum gelangt man am besten mit einem der tausend Busse, die neben den verstopften Strassen auf eigenen Buslinien verkehren. Umso mehr erstaunt es, dass Bogotá jeden Sonntag 120 Kilometer Strassen sperrt, um der Bevölkerung eine sportliche Betätigung ohne Abgase zu ermöglichen.

Auf der Weiterfahrt werden wir während einem Toilettenbesuch in einem Restaurant von einem Tukan beobachtet. Er findet sichtlich Gefallen am Spiegel und auch die hier zu  verrichtenden Tätigkeiten scheinen ihn zu interessieren. Zudem posiert er auch gerne für Fotos.

 

Wer rüttelt da an unserem Haus (Wüste Tatacoa)

In der Abendsonne erreichen wir die Wüste von Tatacoa welche uns mit ihren rot, ocker, grau welligen Landschaften, sowie den Sandsteinkliffs und den Canyons in ihren Bann zieht. Schnell finden wir einen geeigneten Platz etwas abseits der Hauptroute und richten uns ein. Müde von einem langen Fahrtag wollen wir uns gerade schlafen legen, als plötzlich Friedli stark geschüttelt wird. Wir öffnen das Fenster und rufen ein Hola in die dunkle Nacht. Keine Antwort, kein Geräusch. Beat leuchtet die Umgebung von der Dachluke sicherheitshalber ab. Doch niemand  ist zu sehen. Wir vermuten einen Jugendstreich und legen uns schlafen. Erst zwei Tage später erfahren wir während unserer Abendtour im Observatorium, wo uns mit Hilfe eines Laserpointers der Sternenhimmel erklärt wird, dass am Sonntag ein Erdbeben den Wüstenboden erzittern liess. Als dann auch noch unsere Reisefreunde Katrin und Robert eintreffen, ist klar, wir bleiben noch ein paar Tage. Während einer Erkundungstour durch die Wüste, entdecken wir auf einem Plateau einen leuchtend blauen Fleck. Erst beim näher kommen erkennen wir, dass es sich tatsächlich um einen Swimminpool handelt. Der Besitzer winkt und macht uns sein Traumanwesen schmackhaft zum Baden. Spontan verbringen wir den ganzen Tag und die Nacht auf diesem schönen Fleckchen Erde und geniessen die Stille und eine unglaubliche Sicht über die Wüstenlandschaft, umringt von den zwei Anden-Kordilleren.

                                                                                                        

Daumen Hoch rund um das Trampolin des Todes (Pasto)                                              

Nach einer Woche Wüste zieht es uns wieder in die Berge zu den zweitausend Jahre alten Grabstätten von Tierradentro. Diese sind nur über Fusswege erreichbar und liegen inmitten saftig grünen Wiesen auf einer Anhöhe. Einige der freigelegten Gräber sind über steinige enge Treppen in 4-5 m Tiefe unter der Erde zugänglich. Die bemalten und mit Steinbildern ausgestatteten Steinkammern müssen teils mit der eigenen Taschenlampe ausgeleuchtet werden.

Erfahrungsgemäss ist in Kolumbien der kürzeste Weg nicht unbedingt der schnellste! So geschehen auf der Weiterfahrt nach San Augustin, wo uns unser Navi über löchrige Pisten führt. Hier können aus Vulkangestein gehauene Statuen, die zu Ehren der Toten erstellt wurden, besichtigt werden. Nach soviel Kultur freuen wir uns wieder auf ein fahrtechnisches Abenteuer.

 

Auf dem Weg nach Mocoa passieren wir vermehrt Militärkontrollen, welche uns mit Daumen hoch signalisieren, dass der kommende Strassenabschnitt sicher ist. Dies kommt noch aus der Zeit, wo die Region als Farc-Hochburg galt. Kurz nach Mocoa biegen wir auf die Strasse mit dem vielversprechenden Namen „Trampolin del Muerte“, was auf Deutsch soviel heisst wie Trampolin des Todes, ab. Die 60 Kilometer lange, schmale Schotterstrasse führt uns kurvenreich immer wieder den Berg hoch und runter an senkrechten Abgründen vorbei und lässt unseren Atem so manches Mal stocken.

Die Qualität der Strasse und einige Wasserdurchfahrten lassen uns nur langsam voran

kommen.  Zudem nehmen die vielen Foto- und Videostopps auch einige Zeit in Anspruch. Solche Strecken mit Gleichgesinnten zu fahren erhöht den Spassfaktor um einiges und so verdanken wir den „Trailsurfers“ ein unvergessliches Erlebnis.

 

Gelebte Traditionen (Silvia)

Nach zwei Tagen Fahrpause an der Laguna Concha entscheiden wir uns, nochmals Richtung Norden zu fahren. Nach einem Kurzbesuch der Altstadt Popayan verbringen wir einen regnerischen Tag in den herrlich warmen, wenn auch schweflig riechenden, heissen Quellen von Coconuco.

Der Besuch des nahe gelegenen Nationalpark Puracé, zieht uns in seinen Bann. Die über 3'000 m gelegenen heissen Quellen von San Juan eignen sich nicht zum baden, jedoch sind sie mit ihren leuchtenden Farben eine Augenweide. Das Wasser spritzt durch die Vulkantätigkeit zu unterschiedlichsten Ritzen raus und fliesst langsam unter  geschwungenen Holzbrücken an knallig grün vermoosten Steinen vorbei und das lässt uns die Zeit vergessen. Erst der einsetzende Nieselregen deutet uns an, dass es Zeit für die Rückfahrt ist. Auf unserem Übernachtungsplatz bei den Cabanas Parque del Puracé müssen wir dann sogar wegen dem mittlerweile heftigen Regen Friedli aus Sicherheitsgründen umparkieren. Die geplante Weissbartcondor-Tour am nächsten Morgen können wir infolge Dauerregens nicht machen. So fahren wir wieder Richtung Tal. Dabei sind die Schotterstrassen so stark ausgewaschen, dass Beat Mühe hat, einen geeigneten Weg zu finden. Da verwundert es wenig, dass hinter einer Kurve mitten auf der schmalen Strasse ein riesiger  Kieshaufen frisch abgekippt wurde. Da es keinen anderen Weg gibt, holt Beat kurzerhand unsere Schaufel und hilft den älteren Herren wacker beim Strassen ausbessern. Nach fast einer Stunde schaufeln auf 3’300 MüM. ist der Weg wieder frei und wir können weiter fahren. Es folgt ein absolutes Highlight unseres Kolumbienaufenthaltes. Wir besuchen den traditionellen Dienstagsmarkt in Silvia morgens um sieben Uhr und mischen uns unter die Guambiano Indianer, welche in traditionellen Kleidern ihre Einkäufe tätigen. Die Frauen tragen schwarze Röcke, weisse Blusen und blaue Filzponchos. Immer dabei ein Täschchen mit Schafwolle, die sie mit Hilfe einer Nadel ununterbrochen zwirnen. Die Männer dagegen tragen schwarze Ponchos und blaue Röcke. Beide Geschlechter tragen schwarze edle Filzhüte. Mit Freude beobachten wir die Menschen beim Handeln mit ihren Agrarerzeugnissen und Werkzeugen und decken uns selber mit Obst und Gemüse ein.

Jetzt geht es wieder Richtung Süden zur Laguna Verde, welche wir nach einer zwei stündigen Wanderung auf 4'000 MüM. erreichen. Während des ganzen Aufstiegs hängen dichte Wolken am Himmel. Doch einmal mehr haben wir grosses Wetterglück und exakt beim Erreichen des Kraterrandes hellt es auf und uns offenbart sich ein smaragdgrüner Vulkansee in seiner schönsten Pracht. Als Abschluss unseres Kolumbienbesuches sehen wir uns die einzigartige Kirche in Las Lajas an., welche eindrücklich in eine Schlucht über einen Fluss gebaut ist.

  

 

 

 

 

 

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