Nicaragua

Nicaragua fasziniert uns mit seinen aktiven Vulkanen. Wir sausen mit einem Sandboard vom Cerro Negro runter und fahren mit Friedli an den Rand des launischen Santiago-Kraters, ein eindrückliches Erlebnis, welches nur dank der eher "laisser faire" Regierung des Landes möglich ist. Die ungleiche Verteilung des Wohlstandes wird uns täglich vor Augen geführt, teilen sich doch Ochsenwagengespanne die Strassen mit modernsten Autos.

Route: Las Manos, Estelí, León, Vulkan Cerro Negro, Vulkan Masaya, Granada, Laguna de Apoyo, La Flor

 

Der Grenzübertritt von Honduras nach Nicaragua ist der erste seit den USA, welchem auch Betty entspannt entgegen sieht. Dies ist darauf zurück zu führen, dass auf der Internetseite des EDA keine Reisewarnungen für Nicaragua zu finden sind.

Unsere bewährte Taktik, frühmorgens am Zoll zu sein, scheint auch diesmal aufzugehen.

Besonders beeindruckt uns der wohl effizienteste Zollbeamte Zentralamerikas, der die temporäre Fahrzeugeinfuhr in einer bisher ungewohnten Schnelligkeit abwickelt. 

So rollen wir bereits nach zwei Stunden auf einer gut ausgebauten Strasse mit Flüsterbelag durch das nördliche Hochland Richtung Landesinnere. Hier wächst der weltberühmte Tabak von Nicaragua.

 

Das Land ist uns sehr schnell sympathisch. Es scheint das Land der Toyota Landcruiser zu sein. Fahrzeuge, älter als dreissig jährig, teilen sich die Strasse mit den unterschiedlichsten Gefährten. So fühlen wir uns manchmal in der Zeit etwas zurück versetzt, wenn Bauern mit ihren Ochsengespannen zu ihren Feldern fahren.

Eine geplante Besichtigung in einer Tabakfabrik in Estelí lassen wir infolge einer aus unserer Sicht überforderten Tourismusangestellten aus. Sie schafft es nicht, uns  auf einer Karte einen Standort zu zeigen oder eine Adresse eines entsprechenden Unternehmens aufzuschreiben.  So steuern wir als erstes die geschichtsträchtige Stadt Leon an. Unzählige Wandbilder erzählen von der Revolution, in welcher sich die Stadt gegen den Diktator auflehnte.  Wir besteigen das Dach der strahlend weissen Kathedrale und schmunzeln über die Regeln, welche jedem Besucher erklärt werden. Die Schuhe müssen ausgezogen werden (obwohl unsere Schuhe sauberer sind als unsere Füsse), die Glocken dürfen nicht geläutet werden und die Kuppeln nicht bestiegen. Zu unserem Erstaunen sind jedoch Getränke und Esswaren erlaubt. Dank einem aufziehenden Gewitter mit dunklen Wolken, strahlt das weisse Gebäude noch intensiver.

Morgens um sechs Uhr starten wir zu einer Tour auf den Vulkan Cerro Negro. Ausgerüstet mit Schutzanzug, Brille und Sandboard, wandern wir während einer Stunde gemeinsam mit einem Führer hoch zum 780 Meter über Meer liegenden Kraterrand. Nach einer kurzen Instruktion sausen wir in nur anderthalb Minuten den steilen Vulkankegel hinunter. Solange nicht gelenkt oder gebremst werden muss, macht es riesigen Spass. Kaum nimmt man seine Füsse zu Hilfe, spritzen kleine Steinchen und Sand in alle Richtungen. Unten angekommen sind unsere Gesichter schwarz, voller Staub, und wir gleichen zwei Kaminfegern.

Mittlerweile haben sich unten in der schwarzen Dünenlandschaft vier weitere Toyota Landcruiser neben Friedli gestellt. Wir unterhalten uns mit den Besitzern und fragen nach dem Grund, weshalb Toyotas hier so verbreitet sind. Mit einem breiten Lachen im Gesicht antwortet einer der stolzen Besitzer „ganz einfach, weil es sich um die besten Fahrzeuge handelt“. Da stimmen wir gerne zu und verlassen wenig später das Gelände, um unsere Reisebekanntschaft aus dem Baselbiet zu treffen.

 

Zusammen verbringen wir zwei gemütliche Tage. In San Juacinto parken wir unsere Fahrzeuge, um kochende Schlammlöcher zu besichtigen. Dabei gehen wir einer geschäftstüchtigen Frau auf den Leim. Die angepriesene Aussichtsplattform ist sehr weit entfernt. Damit die Schlammlöcher aus der Nähe angesehen werden können, würde noch eine zusätzliche Gebühr fällig. Wir lehnen dankend ab und nehmen die als Präsent  erhaltenen Schlammsäckchen mit.

 

Auf der Weiterfahrt verlassen wir die gute Teerstrasse und nehmen eine enge Schotterstrasse zur Lagune Asososco. Zum Glück haben David und Johannes sich Macheten zugelegt und schneiden uns den Weg voller tiefhängender Äste frei. Der Aufwand hat sich gelohnt, wir haben den dunkelgrün schimmernden Vulkansee für uns alleine. Bevor wir uns ein ausgiebiges Bad gönnen, bestreichen wir uns noch mit dem erhaltenen Vulkanschlamm und fühlen uns danach wie frisch geboren.

 

Schon ganz gespannt warten wir auf das nächste Abenteuer, den Vulkan Masaya, welcher als der aktivste des Landes gilt und mit dem eigenen Fahrzeug bis zum Kraterrand befahren werden kann. Erst noch war die Zufahrt als Sicherheitsmassnahme für drei Monate geschlossen. Der Vulkan, mit einer Höhe von 300 m, sieht von weitem eher unspektakulär aus. Dies ändert sich jedoch schlagartig mit dem Erreichen des Kraterrandes. Friedli muss in Fluchtrichtung parkiert werden. Der Blick in den 300 m tiefen Santiago-Krater, wo die flüssige, rote Lava friedlich vor sich hin blubbert, ist einfach gewaltig. Wegen der schwefelhaltigen Dämpfe müssen wir nach nur 10 Minuten den Ort bereits wieder verlassen. Uns reichen diese 10 Minuten noch nicht aus und wir möchten bei Dunkelheit nochmals an den Kraterrand.

Den fünffachen Preis für 15 Minuten bei Nacht nehmen wir dafür gerne in Kauf.

Bereits während der Anfahrt erhellt ein roter Kegel über dem Vulkan den Himmel.

Zielstrebig begeben wir uns schnell zu den ausgemachten Plätzen mit hervorragender Sicht in die Tiefe des Vulkanes. Wir sind einfach überwältigt von dem Naturspektakel, welches sich vor unseren Augen abspielt. Der Dampf färbt sich rötlich und lässt die Lava noch viel imposanter erscheinen.

Dank einem Hinweis eines Parkangestellten fahren wir am nächsten Morgen nach Granada, wo gerade die „Fiesta de Agosto“ stattfindet. Friedli parken wir beim Roten Kreuz. So können wir entspannt durch das farbenfrohe Städtchen flanieren und erleben einen Umzug mit viel lauter Musik, geschmückten Wagen, sowie geschätzten 500 Reitern mit Pferden. Aus allen Ecken der Stadt ertönt Musik, die Menschen tanzen und geniessen den sommerlichen Abend. Nur per Zufall entdecken wir in der Nähe der Kirche drei Männer, die ein professionelles Feuerwerk vorbereiten, welches um 22.00 Uhr gezündet wird. Die Professionalität, mit welcher das Feuerwerk aufgebaut und abgefeuert wird, beeindruckt uns sehr und lässt uns dementsprechend entspannt zusehen. Ebenfalls staunen wir morgens um 10.00 Uhr. Während eines Spaziergangs durch das Städtchen ist nichts mehr von einem Fest zu sehen. Alle Bühnen und Tanzlokale sind abgebaut und die Strassen bereits vom Müll befreit. Zudem werden Strassenabflüsse ausgeräuchert, um unerwünschte Stadtbewohner fern zu halten.

                                                                     

Wir nutzen die letzte Chance in Nicaragua und tauchen ein in die Kunst des Zigarren Herstellens bei der Traditionsfirma Mombacho. Dabei erfahren wir einiges über die Geschichte des Tabaks und können beim Wickeln der handgefertigten Zigarren den Arbeitern über die Schultern schauen.

 

An der Lagune de Apoyo, einem wunderschönen, 200 m tiefen Kratersee, geniessen wir zwei fahrfreie Tage beim Hostel Paradiso. Nebst Kanutouren und Bädern beginnen wir uns intensiv mit der Verschiffung von Panama nach Kolumbien zu befassen.

Neben uns stellen sich zwei französische Overlander mit ihrem Land Rover, die von Süd nach Nord fahren. So können wir uns ideal austauschen und von den gemachten Erfahrungen profitieren.

 

Unser nächstes Ziel wären die Inseln von Ometepe, welche mit ihren zwei Vulkanen mitten im Nicaraguasee liegt. An der Fährstation entscheiden wir uns jedoch gegen den Inselbesuch. Der See ist durch die starken Winde sehr unruhig und der Himmel lässt nichts Gutes erwarten, was auch unsere Wetter App für die nächsten Tage bestätigt. So fahren wir weiter an die Pazifikküste und statten dem Tierschutzgebiet „Playa de Flor“ einen Besuch ab. Hier kommen zwischen Juli und Januar jährlich tausende von Schildkröten an Land, um ihre Eier in den Sand zu vergraben.

Da Betty dies unbedingt sehen möchte, erkundigen wir uns bei Rangern, wo und wie das am besten möglich ist. Die freundlichen Ranger erklären uns, dass die Chance,, eierlegende Schildkröten zu sehen, zwischen 21.00 Uhr und 02.00 Uhr am grössten ist, die Saison jedoch erst starte und die Schildkröten eher spärlich kämen.

Unser stundenlanges Warten am Strand in der ersten Nacht ist nicht von grossem Erfolg gekrönt. So bleiben wir einfach noch eine zweite, in welcher eine Schildkröte an Land kommt. Leider tritt sie nach 20 m anstrengendem Krabbeln den Weg zurück ins Meer an, bevor sie ihre Eier gelegt hat. Zusätzlich leuchten die Sterne über uns und wir sehen seit längerem die Milchstrasse ohne Fremdlicht und erspähen dazu einen farbenfrohen Krebs, welcher sich unter Friedli zu verstecken versucht.

Müde aber zufrieden legen wir uns um zwei Uhr schlafen, damit wir morgen bereit sind für den Grenzübertritt nach Costa Rica. 

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