Alaska (USA)

Unser einmonatiger Aufenthalt in Alaska wurde geprägt von der Weite der unendlichen Landschaft in welcher wir die unterschiedlichsten Wildtierbeobachtungen machen durften. Wir durchquerten Waldbrände und erkundeten die Gletscher auf verschiedenste Weise.

Route: Chicken, Tok, Fairbanks, Deadhorse, Fairbanks, Anchorage, Homer, Seward, Whittier, Valdez, Tok, Haines, Skagway

 

Über den Top oft the World Highway, welcher seinen Namen aufgrund der eindrucksvollen Streckenführung entlang einer Kammlinie erhielt, erreichen wir den Grenzübergang nach Alaska. Die Ausblicke über den schier unendlich wirkenden, menschenlehren Landesteil ist fantastisch. Der Grenzübergang dementsprechend einsam. Nachdem der Zollbeamte mit unserer Hilfe den Einreisestempel im Pass aus New York gefunden hat, gibt er freie Fahrt. Freundlich, aber mit Nachdruck, werden wir noch von ihm darauf hingewiesen, dass unser Visum nur bis zum 4. Oktober gültig sei und wir spätestens dann die USA wieder verlassen müssten. Das wollten wir grundsätzlich vermeiden! Aber ja, jetzt geniessen wir zuerst dieses wundervolle Land bevor wir uns über die Aus- und Weiterreise Kopfzerbrechen machen.

Die Strasse Richtung Chicken schlängelt sich bald ins Tal und ist im Unterschied zur kanadischen Seite frisch geteert. Die alte Goldgräberstätte Chicken besteht aus mehr  liegengelassenen, vor sich hin rostenden Maschinen wie Gebäude. Nach dem obligaten Besuch im Chicken Creek Saloon, welcher mit Baseballmützen aus aller Welt dekoriert ist, fahren wir gleichentags weiter nach Tok. Hier verbringen wir unsere erste Nacht in Alaska und füllen unseren Kühler mit Nahrungsmittel wieder auf. Das Wetter zeigt sich in den nächsten zwei Tagen nicht mehr von seiner besten Seite. Regenwolken ziehen auf und wir können nur erahnen, welche grandiose Aussicht uns auf dem grösstenteils über der Baumgrenze liegenden Denali Highway wohl verborgen blieb. Damit unsere Chancen steigen, Moose (Elche) zu sehen, starten wir bereits unsere Fahrt morgens bereits kurz nach 6 Uhr. Nach nur einer Stunde Fahrt fangen wir unseren zweiten Plattfuss in Nordamerika ein,dieser lässt sich dank Beat’s Geschick jedoch schnell vor Ort reparieren. Vier Stunden später steht das Glück jedoch nicht mehr auf unserer Seite. In mitten einer langen Baustelle, welche nur per Begleitfahrzeug passiert werden kann, fängt der arme Friedli gleich den nächsten Plattfuss ein. Diesmal handelt es sich um eine Seitenwandverletzung, wo keine Reparatur möglich ist. Wir sind gezwungen, nebst dem Ersatzrad auch noch den zusätzlich mitgeführten Ersatzreifen zu montierten. Somit hat Friedli zwei neue Goodrich-Pneus auf der Hinterachse, dafür nur noch ein Ersatzrad am Heck.

Im Visitorcenter von Fairbanks informieren wir uns ausführlich über unser nächstes Vorhaben, den 840 Km langen, mehrheitlich ungeteerten Dalton Highway, der bis an den nördlichsten befahrbaren Punkt Alaskas führt.

Es wird empfohlen; zwei Ersatzreifen, Werkzeug, CB Funk sowie Leuchtraketen für den Notfall mitzunehmen.

Was uns da wohl in den nächsten Tagen erwartet fragen wir uns. Nach drei Stunden vergeblicher Suche nach einem zusätzlichen Ersatzreifen entschliessen wir uns, das Abenteuer nur mit einem Pneu und ohne Funkgerät und Leuchtraketen zu starten.

Nach 40 Kilometern wird empfohlen, aufgrund des schlechten Strassenzustandes eine Pause einzuplanen! Doch bald schon merken wir, wir sind nicht mehr in Kanada! Alles was passieren könnte muss beschrieben werden und jeglicher Menschenverstand ist auszuschalten!

Die starken Fahrrinnen, sowie die Schlaglöcher sind weit unter unseren Befürchtungen. Die Strasse ist zwischen 6 und 10 Meter breit, die schwer beladenen Lastwagen haben die losen Steine in die Oberfläche gewalzt und so, abgesehen von einigen Schlaglöchern, gut befahrbar ist.

Im Unterschied zum bereits gefahrenen Dempster-Highway ist sogar das kreuzen von Lastwagen sehr angenehm! Jeder bremst leicht ab, um so ein „steinfreies“ passieren zu ermöglichen.

 

Wir sind begeistert von der Landschaft, welche anfänglich durch bewaldetes, hügeliges Gebiet führt und zunehmend Bergig wird. Erneut überqueren wir den Yukon-River per Stahlbrücke mit Holzbelag und den Arctic-Circle. Ab hier scheint die Sonne im Sommer wieder während 24 Stunden am Tag und laut der Wetterprognose soll es vier Tage schön bleiben.

Dieses fast ausserordentliche Wetterglück wollen wir ausnutzen, da sich die Strasse bei Regen schnell in eine ungemütliche Rutschpartie verwandeln kann.

Mit der Überquerung des 1'463 Meter hohen Atigun-Passes wechselt sich die Landschaft markant zu weiten, schier endlosen Tundra.Oft legen wir einen Halt ein und bewundern die Schönheit und Einsamkeit dieser einmaligen Gegend.

Nach über 700 km erreichen wir das Oelindustrie-Dorf Deadhorse. Geprägt wird das Dorfbild von grossen Maschinen und Containerbauten. Die Hotels werden fast ausschliesslich von Ölfeldmitarbeitern bewohnt und sehen nicht wirklich heimelig aus. Hier leben, oder besser gesagt arbeiten ca. 6000 Personen im Schichtbetrieb. Damit wir unsere Füsse in den Arctic-Ocean halten konnten, musste 24 Stunden vorher eine Tour mit Guide durch die Ölfelder gebucht werden. Dabei konnten wir neben all den Oelförderanlagen auch einige Wildtiere beobachten, die ungestört im Gelände leben. Auf dem Rückweg unterhalten wir uns mit einem Japaner, der zu Fuss von Deadhors nach Feuerland unterwegs ist. Dies hört sich spannend an, doch tauschen mit ihm wollen wir nicht. Wir schätzen uns glücklich mit Friedli unterwegs zu sein und nach 5 Tagen das Abenteuer Dalton Highway ohne Steinschlag und Plattfuss zu haben.

 

Während der Fahrt Richtung Fairbanks wird die Sicht zunehmend schlechter und wir können zwei der ca. 340 aktiven Waldbrände aus naher Distanz beobachten.

In Fairbanks ist der Rauch bereits so dicht, dass wir uns entscheiden, schnellst möglich Richtung Anchorage weiter zu fahren. Erst nach 200 km können wir aufatmen. Die Luft ist wieder klar. Trotzdem bleibt uns der Blick auf den höchsten Berg Alaskas, den 6'194 Meter hohen Mount McKinley, auch nach drei Anläufen verborgen.

 

Die Grossstadt Anchorage nutzten wir lediglich zum Einkaufen und Tanken. Wir ziehen eine Bootstour zu 26 Gletschern von Witthier aus vor. Nur ein einspuriger Tunnel, in welchem auch die Bahn fährt, führt zu diesem fast ausgestorbenen Dorf. Bei strahlendem Sonnenschein geniessen wir während 6 Stunden Bootsfahrt, atemberaubende Blicke auf Gletscher die teils bis ins Meer ragen sowie unzählige Seelöwen, Robben und Otter die auf Felsen oder Eisschollen sich ausruhen.

Ein unvergessliches Erlebnis! So nahe an den leuchtend weissen Eisschollen  vorbeizufahren und das krachen der kalbenden Gletscher zu hören und live mitzuverfolgen.

 

Nun jagt ein Höhepunkt den andern. Wir machen viele spannende Bekanntschaften und beobachten im Kenai-River die Einheimischen beim „Dip netting“ Fischen. Während tausende Fischer aus der ganzen Welt nach Alaska reisen um Lachse mit der Angelrute zu fangen, dürfen Einwohner Alaskas eine streng reglementierte Anzahl Lachse mittels grossen Netzten an Stangen direkt vom Flussufer, herausziehen.

Die nächste Chance den Fischern beim Angeln und vorallem dem ausnehmen der Fische zuzusehen bekommen wir in Homer. Diese ist als Heilbutt-Hauptstadt der Welt bekannt. Beim jährlichen Heilbutt Wettbewerb werden bis zu ca. 100 kg schwere Fische an Land gezogen.

Friedli parken wir gleich auf dem sogenannten Spit, einer 7km langen, schmalen Landzunge, welche wie eine spitze Nadel in die Kachemak Bay hineinsticht und uns atemberaubende Blicke auf die rundum gelegenen Berge und Gletscher ermöglicht. Wir machen einen Tagesausflug zum Grewingk-Gletscher mit dem Kajak. Dazu werden wir mit einem Boot früh morgens abgeholt, von wo aus wir die einmalige Gelegenheit haben, dank dem guten Auge unseres Guides Jeje, einen Schwarzbären aus nächster Nähe beim Fressen am Strand zu beobachten. Auf der Wanderung durch die Wälder treffen wir auf einige frische Bärenspuren. Betty schätz es sehr, einen geführten Natur-Walk gewählt zu haben und weicht dem Guide nicht mehr von der Seite. Am Grewingk Glacier Lake besteigen wir die Kajaks und paddeln auf den Gletscher zu. Die atemberaubende Sicht auf den blau schimmernden Gletscher sowie die schwimmenden Eisschollen machen den Trip zu einem unvergesslichen Abenteuer.

 

Gletscher scheinen eine starke Anziehungskraft auf Schweizer auszulösen. Am Fusse des Exit Glacier, in der Nähe von Seward, entdecken wir einen braunen VW-Buss mit Schweizerflagge und erst noch Baselbieter Kennzeichen. Sofort parkieren wir Friedli  daneben und warten bei einem warmen Tee gespannt auf die Besitzer des Fahrzeuges. So lernen wir Conny und Remo aus Arisdorf kennen, welche die Panamericana in Südamerika gestartet haben. Wir haben uns viel zu erzählen und verbringen spontan einen Abend zusammen.

 

Uns kommt das regnerische Wetter wie gerufen. Wir legen eine 2-Tägige Reisepause ein.

So nehmen wir uns wieder einmal Zeit Friedli innen gründlich zu reinigen, Mails zu beantworten und Fotos zu sortieren.

Ganz nach dem Motto: Nach der Arbeit kommt das Vergnügen, wandern wir am folgenden Morgen bei strahlendem Sonnenschein den steilen Weg zum Exit Glacier hinauf. Während dem betrachten des verschneiten Gletschers auf ca. 1'200 MüM.

treffen wir auf die nächsten Schweizer. Auf dem gemeinsamen Abstieg unterhalten wir uns über das Erlebte und die künftige Reiseroute, danach verabschieden wir uns von Michi und Christina und wissen dabei noch nicht, dass wir sie in Witthier auf der Fähre wieder treffen werden und die nächsten 14 Tage gemeinsam Reisen werden.

Zuvor treffen wir per Zufall wieder auf Remo und Conny aus dem Baselbiet und verabreden uns an einem Stellplatz direkt am See. Die Männer kontrollieren Bremsen, wechseln Räder und tauschen technische Details aus während dem die Frauen die Sonne geniessen, plaudern und die Seele baumeln lassen, bevor sich am nächsten Tag unsere Wege wieder trennen.

 

Wir nutzen das perfekte Wetter und fahren mit der Fähre von Whittier nach Valdez, wo wir nun das andere Ende der Alaska-Ölpipeline sehen können. Wir wandern gemeinsam durch Täler den Flüssen entlang. Immer Ausschau haltend nach Bären und andern Tieren wie Adler oder Moose. Ganz begeistert sind wir von der Ansicht des Worthington Glaciers. Das blauschimmernde Eis, sowie das Plätschern des Gletscherwassers, entführt uns in eine andere Welt und lässt uns die Zeit vergessen.

Gemeinsam mit Christina und Michi fahren wir via Tok nach Haines, mit der Fähre nach Skagway und via Whitepass nach Whithorse. Ganz nach dem Motto: „Home is were you park it“ fühlen wir uns sehr wohl an den unterschiedlichsten, meist traumhaft gelegenen Übernachtungsplätzen. Wir plaudern bei Lagerfeuerstimmung über Gott und die Welt, kochen gemeinsam Nachtessen und sind überwältigt von den Stimmungen welche uns die Natur zu bieten hat.

 

Ein Erlebnis der ganz besonderen Art hat Beat am Kluane-Lake beim Holz sammeln.  Mit einem breiten Lächeln kommt er zurück und erzählt uns von seiner Grizzlybär-Begegnung nur gerade 200 Meter von unserem Übernachtungsplatz entfernt. Alle sind Feuer und Flamme und möchten diesen auch sehen. Ausgerüstet mit Kameras und Bärenspray fahren wir nur wenige Minuten später zu viert im Friedli über die Schotterstrasse und können tatsächlich den Grizzlybär beim Beeren pflücken aus nächster Nähe und in Sicherheit beobachten.

Die Natur meint es auch in den nächsten Tagen gut mit uns. Freiwillig stehen wir mehrere male um fünf Uhr auf und erspähen in Haines einige dutzend Weisskopfadler und eine Grizzlybären-Mutter mit ihren zwei Jungtieren dem Strand entlang spazieren. Direkt von unserem Übernachtungsplatz in Dyea können wir sogar Lachse im Bachbett beim Laichen zusehen. Die Geschichte über den Goldrush im Jahre 1897-99 wird im damaligen Ausgangspunkt Skagway, tausenden Besuchern jährlich wieder geben. Hier halten die meisten der ganz grossen Kreuzfahrtschiffe, welche regelrechte Tagesbustouren-Kolonnen über den Whitepass auslösen.


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