Yukon & Northwest Terreroties (Kanada)

Die letzten 15 Tage fahren wir  über 1’800 Kilometer auf Schotterstrassen und geniessen dabei die Weite und Abgeschiedenheit des hohen Nordens ausgiebig.

Die Tage vergehen wie im Fluge, auch wenn die Sonne nicht mehr unter geht. Die  Wildtierbeobachtungen sowie das gemeinsame Reisen mit „Monster“ und seinen Besitzern sind eine sehr tolle Erfahrung.

Route: Watson Lake, Ross River, Carmacks, Stewart Crossing, Inuvik, Dawson City

 

Der Yukon gilt als das naturbelassene Reiseziel Kanadas schlechthin und ist per Auto nur durch zwei fast endlose erscheinende Strassen erreichbar. Es gilt als die Türe zu Alaska und hat die einzige Strasse Kanadas die über den Arctic Circle (Polarkreis) führt.

 

Mit einem riesigen Schild „Yukon, larger den Live“ werden die ca. 300'000 jährlichen Besucher, die per Strasse in den Yukon gelangen, auf dem dicht bewaldeten Alaska Highway begrüsst.

 

Unzählige Schilder hat es auch in Watson Lake, wo ein amerikanischer Soldat, der 1942 mit dem Bau des Alaska Highways beschäftigt war, aus Heimweh sein Ortsschild als erster hier anbrachte. Nie hätte er wohl gedacht, dass es ihm so viele Menschen gleichtun und es mittlerweile zu einem Schilderwald von über 76’000 Schildern herangewachsen ist.

Da wir unsere Autonummer weiterhin brauchen und das Ortsschild von Anwil zu Hause geblieben ist, haben wir entschieden, ein eigenes Schild zu kreieren und uns auf dem Rückweg ebenfalls zu verewigen.

 

Unterwegs treffen wir Doro und Jupp mit ihrem „Monster-Truck“ welche bereits 10 Jahre Reiseerfahrung haben. Spontan verbringen wir einen gemütlichen Abend zusammen am Lagerfeuer und tauschen unsere Erlebnisse aus. Nach dem Frühstück werden beide Fahrzeuge von Beat und Jupp gecheckt. An Friedli wird ein Motoroelwechsel im Freien ausgeführt und dem Mercedes Lastwagen werden die Radlager eingestellt.

 

Die ersten Erfahrungen auf Gravelroade (Schotterstrassen) sammeln wir auf der 340 Kilometer langen Alternativroute über den Robert Campbell Highway.

 

Alle Essvorräte und der Diesel-Zusatztank sind randvoll gefüllt. So starten wir am 19. Juni gemeinsam mit Doro und Jupp das Abenteuer Dempster Highway. Diese 740 Km lange Gravelroade führt über den Arctic Circle bis nach Inuvik, dem nördlichsten, über Strassen erreichbaren Ort Kanadas und wieder zurück!

Auf der Strecke gibt es nur drei kleine Ortschaften und dementsprechend nur wenig Möglichkeiten einzukaufen oder Diesel zu tanken.

Anfangs fahren wir durch bewaldetes, hügeliges Gebiet, welches wir aber bald hinter uns lassen. Die Strasse hoch auf den North Fork Pass, welcher mit seinen 1'289 MüM der höchste Punkt des Dempsters ist, schlängelt sich durch felsiges Gebirge. Der erste Übernachtungsplatz liegt auf einer Hochtalebene auf 1'100 MüM. Als besondere Überraschung werden wir von einem Moose (Elch) begrüsst.

Ein idyllischer Platz in mitten in der Natur direkt am plätschernden Fluss.  Die Nähe zum Polarkreis ist bereits deutlich spürbar. Die Sonne taucht nur noch knapp unter den Horizont und es wird  auch Nachts nicht mehr Dunkel.

 

Am nächsten Morgen können wir aus nächster Nähe zwei Moose beobachten, welche sich im See die Bäuche mit Gras vollschlagen. Immer wieder tauchen diese riesigen Tiere fast vollständig unter Wasser um dann mit gefüllten Mäulern wieder aufzutauchen. Ihre Geweihe sind dabei wie Schaufeln und lassen das Wasser plätschern.

 

Die Strasse ist in gutem Zustand, trocken und nicht allzu staubig, da sie regelmässig gewässert und mit Kalium-Chlorid besprüht wird. Ab und zu treffen wir auf „Gräder“ welche  die Unebenheiten ausgleichen. Steht’s bemühen wir uns den etwas grösseren, kantigen Steinen auszuweichen um unsere Reifen zu schonen. Das kreuzen von Gegenverkehr stellt jedes Mal eine besondere Herausforderung dar. Je nach Strassenzustand fliegen Steine durch die Luft und die dahinter folgende Staubwolke verdeckt die Sicht auf über 200 Meter.

Trotz unserer eher langsamen Fahrweise erfordert es eine grosse Konzentration. Deshalb machen wir stündlich einen Fahrerwechsel, so haben wir beide die Chance die traumhafte Landschaft zu geniessen.

 

Nach 405 Km erreichen wir unser Tagesziel, den Arctic Circle (Polarkreis). Kurz nach unserer Ankunft zaubert ein Platzregen eine einmalige Stimmung. Der Staub der Strasse ist weggewaschen und ein Regenbogen direkt über der Informationstafel lädt ein, den Arctic Circle zu überqueren. Ab hier scheint die Sonne während 24 Stunden und wird erstmals am 18. Juli wieder unter gehen. Bäume sind nun selten, dies verbessert die Sicht auf Wildtiere. So können wir viele Haasen, Füchse und sogar je eine Eule und ein Wolf beobachten. Der Anblick eines Grizzlys bleibt uns bislang verwehrt, dafür sind immer mehr Moskitos anzutreffen, welche irgendwie die blaue Farbe Friedlis zu mögen scheinen. Auf dem Wrightpass verlassen wir den Yukon und fahren in die Provinz Northwest Territories, welche mit 0.03 Einwohner pro Quadratkilometer als eine der dünnst besiedelten Provinzen Kanadas gilt.

 

Nach 740 km erreichen wir pünktlich am 21. Juni zur Sonnenwende Inuvik. Die Dorfbewohner feiern heute den Aboriginal Day, was soviel wie Eingeborenentag bedeutet. Es wird getanzt, gesungen und alle sind eingeladen zum gemeinsamen Barbecue.

Wir schätzen uns sehr glücklich, unser Ziel Inuvik, bei Sonnenschein und strahlend blauem Himmel erreicht zu haben. Entgegen unseren Erwartungen ist es drückend heiss und das Thermometer zeigt stolze 29°C. Nebst der einzigartigen Iglukirche  besichtigen wir die 3'500 Seelen-Siedlung und bestaunen die auf Holzlagern gebauten Häusern, die alle mit oberirdischen, frostsicheren Wasser- und Abwasserleitungen verbunden sind. Es ist nur schwer vorstellbar, wie hart das Leben im Winter hier sein muss. Bei minusgraden bis zu 45° C sehen die Dorfbewohner vom 6. Dezember bis am 5. Januar kein Sonnenlicht.

Die Rückfahrt auf der exakt gleichen Strecke lässt keine Langeweile aufkommen. Der Himmel wird zunehmend dunkler und auf der Höhe des Arctic Circles verwandelt ein Regenschauer die vorher gut befahrbare Piste in eine matschige Herausforderung für Fahrer und Fahrzeug.

Glücklicherweise ändert sich die Beschaffenheit bereits nach 40 Kilometern wieder,  so das wir wieder besser voran kommen. Typisch schweizerisch zählen wir alle Fahrzeuge und führen eine Strichliste. Während der 740 km langen Strecke begegnen wir 140 Fahrzeuge, davon 45 Motorräder und 40 Wohnmobile. Zu unserer Freude war sogar ein Fahrzeug mit Zuger Kennzeichen darunter, mit denen wir einen Moment austauschen. 

 

Wohlbehalten und um viele Eindrücke reicher kommen wir schliesslich am Ausgangspunkt an. Friedli hat die Strecke, bis auf drei kleine Steinschläge in der Frontscheibe, toll gemeistert.

 

Nach 1’480 km Schotterpiste geniessen wir die 40 km geteerte Strasse bis nach Dawson City. In der geschichtsträchtigen Goldgräberstadt legen wir eine wohlverdiente 5 tägige Pause ein. Kleider waschen, Bordküche auffüllen und Friedli ausgiebig Innen und Aussen reinigen.  Die Frontscheibe lassen wir reparieren und bauen prophylaktisch ein Steinschutzgitter „Marke Eigenbau“ sowie ein Kühlerschutznetz ein.

 

Dawson City ist ein lebendes Museum. Der Charme der Ortschaft  zieht uns definitiv in seinen Bann. Tagsüber nehmen wir an unzähligen, geführten Touren teil. So erfahren wir viel über die Lebensweise der 2000 Menschen, welche das ganze Jahr hier leben. So lebhaft und gemütlich es hier im Sommer ist, so einsam und dunkel wird  es wohl  hier im Winter sein.

Hier treffen  sich unterschiedlichste Reisende (Fahrradfahrer, Backpackers, Tourenfahrer Wohnmobilisten) aus allen Ländern.

Auf unserer Erkundungsfahrt durch das Bonanzatal, wo sich viele ehemalige und aktive Goldmienen befinden, helfen wir einem Fahrradfahrer mit Beats Werkzeug aus. Die Beschädigung war jedoch zu gross um vor Ort reparieren zu können, so laden wir ihn kurzerhand ein und fahren nach Dawson City wo wir  gemeinsam einen weiteren gemütlichen Abend in „unserer-schon-bald-Stammkneipe“ mit Livemusik verbringen.

Zu einem Muss in Dawson City gehört ein Besuch im Casino. Neben den vielen Rulett, Poker und Black Jack-tischen hat es auch einarmige Banditen. Ein Rahmenprogramm mit Musik und  Can-Can-Shows aus den guten alten Zeiten sorgt für ein Erlebnis der besonderen Art.

 

 

Einmal mehr schätzen wir es unabhängig unterwegs zu sein. Wir haben unser Haus dabei und die Möglichkeit dort zu bleiben wo es uns gefällt. Nach 5 Tagen zieht es uns weiter Richtung Alaska, wo erstmals die Fahrt über den legendären Top of The World Highway bevorsteht.

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